7
Aug
2006

Wo warst du, als die Welt sich stoppte zu drehen?

Ich erinnere mich noch genau was ich am 11 September gemacht habe. An diesen Tag war mein erster Schultag an der Berufsfachschule fuer Kinderpflege. In der Zeit wo das erste Flugzeug einschlug schrieb ich meinen neuen Stundenplan auf den Computer. Als unsere Nachbarin hereingestuerzt kam und meiner Mutter und mir sagte wir sollen sofort den Fernseher anmachen. Ich sah diese schrecklichen Bilder und mein Gedanke war sofort wer so bloed war und einen Anschlag gegen die Vereinigte Staaten durchfuehrte. Mir war es sofort klar das es kein Unfall sein kann, da kein Pilot so dumm sein kann und mitten in eine Area fliegt wo sich nur hohe Gebaeude befinden. Meine Mutter rief sofort alle ihre Freunde und Familie zusammen. Denn restlichen Tag haben wir nur vor dem Fernseher gesessen und die immer schrecklichen Nachrichten angesehen. Die restlichen Wochen konnte ich an nichts anderes denken als an die Familienangehoerigen und Freunde die an diesen Tag einen verloren haben. Selbst heute 5 Jahre danach sind mir die Bilder genauso frisch im Gedaechnis als waere das ganze erst gestern passiert.

15
Jun
2006

Es veränderte einfach alles!

Zu dem Zeitpunkt, wo das erste Flugzeug in den Turm einschlug saß ich auf meinem Trainingsrad und strampelte ein paar Kilometer herunter. Ich hatte dabei den Fernseher an ... damit es nicht so langweilig ist. So hörte und sah ich die Tat relativ zeitnah. Ich dachte: "Was für ein Depp fliegt in einen Twin Tower und warum dürfen dort überhaupt Flugzeuge fliegen?" Als etwas später das zweite Flugzeug einschlug war klar, dass es sich hier nicht um einen Unfall sondern um etwas anderes handelt. An Terror wollte? konnte? mochte? ich nicht denken. Wahrscheinlich war es für mich genauso unfassbar wie das was ich gerade im Fernsehen sah. Ich rief sofort meinen Mann im Büro an. Mein nächster Gedanke war, dass dies den nächsten Weltkrieg bedeutet. Man möchte heute gerne glauben, dass dies nicht so ist. Schliesslich ist der Krieg mit den Panzern und Bomben etc. ja noch nicht bei uns angekommen. Aber wie sieht der nächste Weltkrieg denn aus? Was ist wenn wir schon mittendrin sind und es nur noch nicht wissen. Den Glaubensweltkrieg haben wir schon allemal. Jeder glaubt im Recht zu sein.

Ich war damals sowieso etwas nah am Wasser gebaut. Mein Kind war ein halbes Jahr alt und da sind die Hormone noch nicht wieder alle da wo sie sein sollten ;-) Für mich war die Sicherheit - in der ich vor allem mein Kind wähnte - vorbei. Ich weiß, dass wir noch nie sicher auf dieser Erde waren. Aber vor dem 11.9. konnte man es sich zumindest einreden. Danach geht das nicht mehr. Man kann nicht mehr vorbeischauen an dem was passiert. Ich schaute von morgends bis abends TV. Ich konnte nicht abschalten. Wahrscheinlich war das für mich die einzige Möglichkeit um ein wenig von dem zu verstehen was dort passierte. Ich ging sogar einmal in die Kirche, wo ich schon lange nicht mehr war. Keine Ahnung was ich mir davon erhoffte. Ich kann nicht mal mehr sagen, ob es wirklich geholfen hat. Monatelang konnte ich mich über nichts mehr so richtig freuen. Freude fühlte sich für mich lange Zeit so an, als ob es sie nicht mehr geben dürfte. Das hat sich auch nur langsam wieder gelegt. Ich weiss noch, dass wir uns ein neues Auto bestellt hatten. Um den 19.9. herum konnten wir es abholen. Ich habe es gar nicht an dem Tag abgeholt wo es da war und auch als wir dann endlich ins Autohaus fuhren war da überhaupt keine Freude. Eher das Gefühl - wer weiss ob man das überhaupt noch lange brauchen kann. Fast ein Schuldgefühl dafür, dass dort Kinder ihre Eltern verloren haben und ich ein neues Auto abhole. Heute weiss ich auch, dass das Quatsch war - aber das waren eben meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt.

Der 11.9. hat den Terror direkt ins Haus gebracht. Das was immer so weit weg schien war direkt in unserem Zimmer und ich kann damit bis heute nicht umgehen. Sicherlich ist die Angst etwas weniger geworden. Aber für mich ist die Welt seitdem eine kleine Bombe ... wer weiss ob ich dieses Gefühl nochmal verlieren werde.

3
Mai
2006

Ein Drehtag mit Folgen...

wtc

Was habe ich am 11. September 2001 gemacht? Also, ich weiß noch, dass ich an dem Tag frei hatte. Warum? Ich hatte - mal wieder - einen Drehtag als Komparse. Bis heute weiß ich nicht mal den Titel des Filmes. Morgens um 8.00 Uhr ging es los. Wir drehten in einer U-Bahn-Haltestelle bzw. U-Bahn ziemlich am Rande von Hamburg. Das Ende der Dreharbeiten war gegen 18.00 Uhr. Dann bin ich direkt nach Hause gefahren, weil den Abend noch eine Party von big spender (ein Förderverein für Aidsprojekte) sein sollte und ich dort als Schwester auftauchen wollte (also Schminkorgie etc.).

Nebenbei lief also Musik von CD. Irgendwann gegen 20.00 Uhr wollte ich dann von CD auf MTV wechseln...Schwarzbild... ich gezappt und dann sah ich erste Bilder. Ich konnte erst gar nicht einordnen, was da auf allen Kanälen lief. Hängengeblieben bin ich dann bei RTL. Ich konnte das im Laufe des Abends/der Nacht alles so gar nicht fassen. Da saß ich also, fertig geschminkt und schaute TV. Schon ziemlich surreal. Naja, ich habe mich dann nebenbei wieder abgeschminkt und habe dann die ganze Nacht TV geschaut.

Ein paar Mal mußte ich wirklich heulen.Viel schlimmer wurde es aber erst in den Tagen danach, wie z.B. bei einem Bericht, wo ein Helfer unter Tränen erzählte, dass er einen Schuh aufgehoben hatte und da steckte dann noch der Fuß drin. Furchtbar!

Ach so, die Party wurde übrigens natürlich auch abgesagt. Und erst später ist mir aufgefallen, das ich mich noch gewundert hatte, warum es so seltsam ruhig auf der Reeperbahn war, als ich nach Hause kam. Ach ja, und dann erinnere ich mich noch, dass mir mitten in der Nacht einfiel, dass Madonna ja den Abend eigentlich in LA auftreten sollte. Dieses wurde ja abgesagt und fand dann einige Tage später statt.

Dann erinnere ich mich noch, dass es einige Tage später eine Gedenkveranstaltung auf dem Hamburger Rathausmarkt gab. Er war hoffnungslos überfüllt. Dort wurden auch an den beiden großen Fahnenmasten zahlreiche Blumen und Kerzen niedergelgt. Die meisten wurden natürlich zur amerikanischen Botschaft an der Alster gebracht. Die Botschaft selber wurde da schon mit Betonblöcken und Panzerfahrzeugen abgeriegelt. Das hat sich übrigens bis heute kaum geändert. Mitten an den Spazierwegen an der Alster auf einmal eine Festung, und dass auch noch 5 Jahre danach. Autoverkehr gibt es dort schon seit dem 11.09.2001 nicht mehr.

29
Jan
2006

Mein 11. September

Ich hab den 11. September 2001 in einer Kaserne in Ingolstadt erlebt, in der ich meinen Grundwehrdienst ableistete. Am 11. September war ich gerade mal knapp zwei Wochen aus der Grundausbildung heraus und arbeitete mich in meine Stelle für die nächsten acht Monate ein. Ich hatte eine Bürostelle, so das das Radio eigentlich immer lief. An diesem Nachmittag hatte ich Belege zu sortieren und einzuheften, eine recht einfältige Arbeit.

Die ersten Meldungen vom Attentat hatte ich irgendwie nicht ganz realisiert. Es hieß im Radio das ein Flugzeug ins WTC gestürzt sei und man nicht wisse wie und warum dies passiert sei. Ich hatte die Meldung nicht ganz für voll genommen und hatte weitergearbeitet. Erst als das Radioprogramm kurze Zeit später unterbrochen wurde, ahnte ich, das dies kein "normaler Unfall" gewesen sein konnte. Kurz danach gab es die Meldung das ein zweites Flugzeug in den anderen Turm gerast sei. Etwa gegen 16 Uhr wurde der Dienst abgebrochen und ich konnte das Dienstzimmer verlassen. Auf den Fluren und im Mannschaftsheim war das Ereignis schon das beherrschende Thema. Ich ging mir schnell was zu essen holen und dann ab vor den Fernseher im Gemeinschaftsraum, der schon überfüllt war. Alles starrte wie gebannt auf den Fernseher und keiner konnte verstehen wie so etwas geschehen konnte.

Mir wurde immer mulmiger als ich erfuhr das auch in das Pentagon eine Maschine gesteuert wurde und auch eine weitere entführt wurde. Ich verlies den Fernsehraum, um meine Mutter anzurufen, denn so etwas hatte ich mir bestimmt nicht erträumt, schon garnicht während ich in der Bundeswehr bin. Irgendwie hatte ich ein sehr ungutes Gefühl gerade zu diesem Zeitpunkt Soldat zu sein.

So nach einer Stunde kam der Kompaniechef in den Raum und gab den Befehl durch das wir uns für 18:00 Uhr in Vollausstattung samt Waffe auf dem Appellplatz einfinden sollten. Der Brigradekommandeur befahl für diese Zeit eine Gedenkwache.

Nachdem sich die ganze Kaserne auf dem Appellplatz einfand schilderte der Brigadekommandeur die Ereignisse des Tages und rief fünf Schweigeminuten zu Ehren der Opfer aus.

Nach dem Ende des Appells versuchte jeder so schnell es ging und das Protokoll es zulies wieder in seine Einheit zu kommen, um wieder vor den Fernseher zu kommen. Keiner ging, wie sonst jeden Abend üblich in die Stadt, spazieren oder in die Disco.

Ich weiß garnicht mehr wie lange ich noch Fernsehen geschaut habe, es muss wohl so bis 22 oder 23 Uhr gewesen sein ehe ich dann auf meine Stube ging, denn der nächste Tag fing ja schon wieder halb sechs in der Frühe an.

Der 11. September wird mir für immer in Erinnerung bleiben, vorallem da ich ihn denke ich auf eine ganz besondere Weise erlebt habe.

6
Jan
2006

New Order

Gestern war's noch Sommer, heute isses Herbst, dachte ich, als ich auf dem Balkon meiner Freundin stand, 300 Meter über dem Bodensee, den Morgennebel inhalierte und von Heiligenberg hinuntersah ins Deggenhauser Tal. Scheiß, daß ich keine Kohle habe. Sonst würd ich mit ihr nach Naxos fahren. Je nun, mein Buch nimmt sie ja mit, dachte ich. Mein Buch, das auch von dieser Gegend handelt, den höheren Welten der Anthros gleich hier umme Ecke. Immerhin.

Ich drehte mir eine Zigarette, begann zu pfeifen, tippte den Takt mit dem rechten Zeh und schnippte mit den Fingern. Ha! dachte ich. Zu Hause hab kann ich wenigstens die Neue von New Order hören: We're like crystal, we break easy, I'm a poor man, if you leave me, I'm applauded, then forgotten, it was summer, now it's autumn ... wie das paßt. Endlich haben die mal wieder eine gute Single, eine ihrer besten. Keep it coming, keep it coming, keep it coming, keep it coming, sang ich vor mich hin, und ich sang es auch noch, als ich schon längst im Zug nach Bremen saß. Keep it coming, keep it coming, keep it coming, keep it coming ...

Auch in Bremen war das Wetter inzwischen herbstlich geworden, das Licht hatte sich verändert; doch es waren milde Tage, würzig duftend nach Laub, und ich hörte Crystal von New Order und sang aus Leibeskräften mit. Keep it coming, keep it coming, keep it - halt! jetzt ruft mal deine E-Mails ab, mahnte ich mich und begann zu stöhnen. Elf E-Mails von derselben Person, alle vom 11. September, eine Anfrage nach der andern. Mürrisch begann ich zu arbeiten, bis tief in den Nachmittag hinein, jajaja, ich werd das machen, ich werd den Krempel lektorieren, doch was wird aus meinem eigenen Buch? dachte ich. Jetzt hab ich wieder keinen Verleger, und die Zeit drängt. Es muß endlich offiziell erscheinen, nicht bloß als popeliger Privatdruck. Die Zeit ist reif für dieses Buch, verdammt. Ich tippte vor mich hin, bis mich der Hunger aus dem Hause trieb, ich mich auf mein Fahrrad setzte und durchs Viertel fuhr, an diesem Tag, der sich von keinem anderen unterschied. Ich fuhr zu PLUS neben der Schauburg, kaufte das Allernötigste, setzte mich wieder aufs Rad und fuhr singend durch die Horner Straße. I like to be in America, sang ich und hörte im Geiste die böse Version von The Nice. Wieso fällt mir das jetzt gerade ein? dachte ich. Na egal. Die Scheibe mußt du auch mal wieder hören. Gut, daß der prollige Tabakladen an der Ecke um diese Zeit noch geöffnet hat.

Ich bog ab nach rechts, in die Humboldtstraße, schloß mein Fahrrad ab und betrat den muffigen Laden. Gegenüber dem Tresen lief, wie immer, der kleine Fernsehapparat. Es war gegen halb acht,
und im Regionalmagazin Buten & Binnen war nichts zu sehen als Schutt & Rauch. Was'n da los? dachte ich. Brennt das Siemens-Hochhaus am Bahnhof? Aber dann hätt ich ja wohl die Feuerwehr hören müssen. Na egal. Ich wandte mich dem Mann am Tresen zu. "Was'n da los?" fragte ich.
"Attentat in New York", sagte er.
"Wie bitte?" fragte ich verwirrt, noch immer das Stück von The Nice im Kopf, den Kommentar zum Krieg in Vietnam. "Geschieht denen recht", hörte ich mich sagen.
Der Ladeninhaber, ein alter Knacki, dachte ich immer, blitzte mich böse an. "Neenee, 50.000 Tote! Das iss ernst!"
"Waaas?" rief ich, sah wieder auf den Bildschirm, begann allmählich zu begreifen, was geschehen war, you shock me to the core, you shock me to the core, und bekam eine Gänsehaut. "Das gibt Krieg!" rief ich, kaufte meinen Tabak und stürzte auf die Straße. "Habt ihr schon gehört?" rief ich zwei Passanten zu. "Attentat in New York!"
Die beiden sahen mich stirnrunzelnd an.
"Ein Attentat aufs World Trade Center!"
Die spinnt doch, sagten ihre Blicke. "Na und?" achselzuckte einer, und beide gingen in den Laden, vorbei an mir und meinem Fahrrad.
Ihr werd't euch wundern, dachte ich. Das gibt Krieg. Die Welt zerbricht. Nur schnell nach Hause, bei den Nachbarn klingeln.
"Wir kucken schon die ganze Zeit", sagten Gundula und Michel. "Das sollen irgendwelche arabischen Terroristen gewesen sein."
"Gottverdammte Idioten", schnaubte ich und spürte, wie die Bilder zu wirken begannen, diese Flugzeuge, diese Türme, diese Trümmer, dieses Feuer, dieser Rauch, wieder und wieder. "Das gibt Krieg."

We're like crystal, we break easy ... it was summer, now it's autumn ... die Welt zerbricht, dachte ich wieder und wieder, während ich die Bilder sah, diese Flugzeuge, diese Türme, diese Trümmer, dieses Feuer, diesen Rauch, alles so perfekt wie in einem Hollywoodfilm, aber das hier war Hollywood live, The Clash of the Civilizations, Äktschn pur, Babylon's Burning, es ist wahr, es ist wirklich wahr, 's ist Krieg, 's Krieg, 's leider Krieg, dachte ich, und wir saßen zu dritt vor der Glotze, "Das gibt Krieg!" sagten wir, und siehe, es gab Krieg.

________

Soundtrack New Order, Crystal (mp3,

21
Dez
2005

...

Der 11. September ist der Geburtstag meiner Schwester. Während der Geburtstagsfeier erhielt eine Freundin einen Anruf von ihrem Mann, der erzählte, dass ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen sei.
"Quatsch", dachte ich, der Typ ist doch ein Schnacker, der hat bestimmt was falsch verstanden. Wir haben dann den Fernseher angemacht und die schrecklichen Bilder gesehen.
Da auf der Geburtstagsfeier auch mehrere Kinder waren, wurde der Fernseher gleich wieder ausgemacht. Ich konnte es kaum glauben, was ich gesehen hatte. Bin eine Etage höher zu meiner Mutter gegangen und habe dort weiter Nachrichten geschaut.

Ich war zutiefst erschüttert und hatte das starke Bedürfnis, meinen Freund anzurufen. Aber ich traute mich nicht. Der Grund, weswegen ich bei meiner Schwester war, war ein Streit mit meinem Freund - ich wollte ihn verlassen, bei ihm ausziehen.

Als ich die schrecklichen Bilder aus New York sah habe ich überlegt, wo ich im Falle einer Katastrophe sein wollte, mit wem ich sterben wollte. Mit meinem Freund.
Naja, ich habe dann angerufen, wir haben uns wieder vertragen.

Die Bilder aus New York haben mir in den nächsten Tagen immer wieder einen dicken Kloß im Hals verursacht. Besonders die Bilder von den Menschen, die mit Fotos von ihren Angehörigen herumirrten und jeden fragten, ob sie vielleicht den Ehemann, Freund oder Verlobten gesehen hätten.

Ähnlich mitgenommen wie die Geschehnisse in New York hat mich letztes Jahr die Tsunami-Katastrophe.

17
Dez
2005

911 for peace

Wobei "peace" ja dann nicht mehr politisch korrekt war. "Pace".

Ich war an besagtem Tag ein paar Monate lang 24 und Zivi an der hiesigen geriatrischen Klinik. Wir waren mit dem Auto unterwegs und hatten gerade ein kleine Pause eingelegt, ich um zu rauchen, der Kollege, weil Nichtraucher, wohl um der Pause willen. Das Radio war auf DLF eingestellt, es war die Rede von einem Flugzeug das eben in einen der Türme des WTC geflogen war.

Meine Gedanken gingen erst einmal in die Richtung "Sportflieger, Fehler, Unfall". Wir haben uns das angehört, und wenn ich mich recht erinnere, kamen die Informationen nur spärlich über den Äther. Als wir zurück kamen und unserem Vorgesetzten davon erzählten, hatte der uns das erstmal nicht geglaubt. Wir haben dann in einem der Bereitschaftszimmer den Fernseher angeworfen.. und ab dann war das für lange Zeit so ziemlich das einzige Thema mit dem man beschallt wurde.

Seltsam ist, dass ich mich sehr genau und plastisch an den Tag an sich erinnern kann - ich war später noch schwimmen und abends mit einem Freund etwas trinken - aber kaum an meine eigenen Empfindungen. Die einzige Regung die ich zurückholen kann, war eine gewisse Entnervtheit. In allen Cafés liefen die Fernseher, überall war dieses "Mein Gott, wie furchtbar" in der Luft gehangen, meistens auch ausgesprochen, Aber auf eine, mhh, naive, falsche Art und Weise.

Definitiv hat sich für mich aber einiges geändert, oder besser, in mir. Ich war nie jemand, der besonders positivistisch durchs Leben gelaufen ist, meinen ersten ernsthaften Weltschmerz hatte ich da schon lange hinter mir, aber durch dieses Ereignis und allem was darauf bis heute folgte, wurde meine Sicht der Dinge und vor allem der Menschen (als "Die Menschheit") ein paar Schattierungen düsterer.

5
Dez
2005

"So darf man nicht denken..."

An den 11. September 2001 selbst erinnere ich mich nicht mehr genau. Natürlich habe ich die Bilder im Fernsehen gesehen und war genau so geschockt wie bei anderen großen Katastrophen auf der Welt. Außerdem dachte ich aber noch etwas...

Gut erinnere ich mich an den 12. September. Da traf ich vormittags in unserer Straße eine Nachbarin, noch älter als ich, die in ihrer Jugend den Bombenkrieg noch bewusster als ich erlebt hat. Sie sagte: "Als erstes dachte ich: das kommt uns doch bekannt vor? - Aber nein, so darf man nicht denken!" Sie ist eine sehr fromme Frau. Ich fand nicht, dass man "so nicht denken" darf.

In den folgenden Tagen fiel mir sehr auf: im Tante-Emma-Laden, beim Metzger, beim Bäcker, wo wir Nachbarn uns immer unterhalten und Neuigkeiten austauschen: niemand sprach über den 11. September, es herrschte ein merkwürdiges Schweigen. Niemand traute sich laut auszusprechen, was zumindest aus meiner Generation alle dachten:

Jetzt erleben die Amerikaner endlich mal am eigenen Leibe, wie es ist, wenn einem die Häuser über dem Kopf zusammenstürzen, wenn Zivilisten, von oben her angegriffen, massenhaft sterben.

Das war mein 11. September 2001.

26
Nov
2005

Eine Violinstunde, die sich einprägte

Ich bin Ariadne. Am 9. September 2001 war ich 16 Jahre alt.

Wie jeden Dienstag Nachmittag befand ich mich in meinem Zimmer und bereitete mich auf meine Violinstunde vor, die in einer Stunde beginnen sollte. Diesmal war jedoch eine Bekannte/Nachbarin zu Besuch und hielt mich von meiner Arbeit ab. Nebenher hörte ich Radio. Sie quatschte lieber.

Während ich mir überlegte, wie ich sie loswerden konnte, meldeten sie im Radio ein Flugzeug sei in das World Trade Center geflogen. Dabei wurde vermutet es handele sich nur um ein Kleinflugzeug. Aber dennoch hatte ich ein aufmerksames Ohr und verfolgte das weitere Radioprogramm. Die Nachbarin quatschte weiter. Als nun aber voller Dramatik gemeldet wurde, es sei nun ein zweites Flugzeug in den zweiten Turm gestürzt, glaubte ich an keinen Zufall mehr und wollte mehr erfahren. Die Bekannte ging sichtlich unbekümmert nach Hause. Als konnte ich mich endlich in aller Ruhe vor den Fernseher setzen.

Da traf ich dann schon meinen Vater, der gerade extra aus der Firma heimgekommen war, da er im Web-Radio von den Vorfällen gehört hatte, und auch mehr wissen wollte. Und da wurde es uns auch erst klar: Es waren zwei vollbesetzte Passagierflugzeuge, die absichtlich mit voller Wucht in die Türme gelenkt wurden. Ungläubig starrten wir auf den Bildschirm. Die Bilder von Menschen, die aus den Fenstern sprangen, stachen im Herz. Als wir live den ersten der beiden Türme einstürzen sahen, befürchteten wir der dritte Weltkrieg würde demnächst ausbrechen.

Dennoch machte ich mich auf den Weg zu meiner Geigenlehrerin, der ich leider nicht absagen konnte, da sie kein Mobiltelefon o.ä. besaß. Abgehetzt und ohne mich auf die Stunde vorbereitet zu haben, überbrachte ich ihr die Nachricht. Sie wollte mir nicht glauben, und dachte ich würde vielleicht etwas verwechseln. Als sie jedoch die Wahrheit endlich erkannte, setzten wir uns erstmal hin und redeten über Theorien wie Osama Bin Laden (sie wusste einiges über ihn) oder bevorstehende Möglichkeiten.

Zuhause angekommen, musste ich feststellen, dass bereits auch der zweite Turm eingestürzt war. Lange Zeit schauten wir uns noch die Berichterstattung an.

21
Nov
2005

Der Tag

Ich hatte Feierabend. Draußen schien die Sonne. Irgendwie wusste ich nichts mit mir anzufangen. Ich mochte nicht an den Rechner und auch nicht lesen. Ich stellte das Radio an, um etwas Musik zu hören. Das mache ich sonst selten.

Es war gegen halb drei. Der Radiomoderater redete von einem Kleinflugzeug, dass in einen der Twin Towers geflogen sein soll, wusste aber auch nicht mehr. Na ja, kann ja nicht wirklich schlimm sein, dachte ich, ein kleines Flugzeug nur. Trotzdem ging ich ins Wohnzimmer, um es meiner Mutter zu erzählen und Bilder zu sehen. Sie telefonierte und im Fernsehen war nichts zu sehen. Ich ging zurück, um mehr zu hören. Es gab nicht viel und nach einer Weile ging ich wieder ins Wohnzimmer. Im Fernsehen war immer noch nichts zu sehen. Meine Mutter war erstaunt. Sie war selbst einmal dort gewesen. Wieder zum Radio. Wenig neues. Dann rief mich meine Mutter und wir sahen die Bilder, die um die ganze Welt gingen. Alle Fernsehsender zappten wir durch. Ungläubig. Irgendwann um 17.00 Uhr schalteten wir den Fernseher ab. Es wurde zu viel.

Mein 11. September 2001

Ort, an dem ich es erfahren habe: Gesamtschule Meerbusch bei Düsseldorf, Deutschland

An den 11. September 2001 kann ich mich, wie die meisten wahrscheinlich, noch gut erinnern: Ich hatte lange Schule, bis 16 Uhr - die letzten beiden Mathe. Nach der Stunde ging ich mit einigen Leuten zu den Fahrrädern (ich war auch mit dem Rad da). Ein Stufenkamerad Namens Olaf bekam einen Anruf auf dem Handy von seinem Bruder. Er nahm ab, hörte nur zu, machte ein entsetztes Gesicht. Als das Gespräch zu Ende war (ohne dass er viel gesagt hatte auußer "Ja?", "Was?" "Wirklich?") sagte er: "Mein Bruder hat mich gerade angerufen. In das Pentagon und ins World Trade Center ist ein Flugzeug gestürzt. Wahrscheinlich ein terroristischer Anschlag." Ich rannte zu meinem Fahrrad und radelte so schnell wie ich noch nie in meinem Leben nach Hause. Auf dem Weg nach Hause hatte offenbar noch niemand etwas von der Nachricht mitbekommen - alle verhielten sich völlig normal. Es war glaube ich ein recht sonniger Tag und die meisten waren gutgelaunt. Zu Hause stellte ich den Fernseher an und sah den zweiten der beiden Hochhaustürme nach einiger Zeit live in der ARD einstürzen.

Soweit meine Erinnerung bis vor einiger Zeit. Dann wurde sie aber später noch ergänzt. Ich sollte nie meine Fähigkeit vergessen auch in den unpassendsten Situationen noch einen geschmacklosen Witz zu reißen. Als ich das Gelände mit dem Fahhrad verließ, sah ich nämlich noch einen weiteren Schulkameraden - Tom, der von der ganzen Sache bis jetzt nichts mitbekommen hatte. Ich rief ihm zu: "Renn schnell nach Hause, mach den Fernseher an und guck was ich getan habe!". Er völlig verdutzt: "Welches Programm?" Ich: "Jedes Programm!". Dann erst radelte ich so schnell wie möglich nach Hause, ohne mich umzudrehen. Tom kam nach Hause, völlig verwirrt über meine Worte und sah seine Mutter weinend vor dem Fernseher. Die Sache nahm er mir echt übel und er hatte mich viel später, als ich das schon längst vergessen hatte, nochmal darauf angesprochen, wodurch mir die ganze Sache erst wieder einfiel. Allerdings habe ich so seine Erinnerung an 9/11 wahrscheinlich ein Leben lang geprägt.

Mein 9/11 - beschreibe deinen persönlichen 11. September 2001!

Hallo zusammen!

Ich bin "Hackmeck" aka Stephan Dörner, Betreiber des FUCKUP Weblogs.

Worum geht es hier?

Dieses Weblog ist ein offener Blog, in dem jeder, der sich kostenlos auf twoday.net registriert, seine Erlebnisse an den 11. September 2001 schildern kann. Es gibt wohl kein anderes Ereignis, das das Ende des letzten Jahrtausends und den Beginn einer neuen Epoche so einschneidend markiert. Und es gibt wohl keinen anderen Tag, an den sich so viele heute lebende Menschen so gut erinnern können.

Ich möchte hier mit eurer Hilfe eine Art Datenbank zum Schmökern erschaffen, die ein Zeitdokument darstellt. Sie soll reflektieren, wie Menschen zu unserer Zeit dachten, wie sie den Alltag erlebten und wie den 11. September 2001. Schreibt was ihr wollt dazu. Welche Gedanken euch durch den Kopf gingen, was ihr gemacht habt, wo und wann ihr es erfahren habt, wen ihr oder wer euch angerufen hat. Schreibt einen langen Essay oder schreibt nur drei Zeilen - was immer ihr wollt.

Ich möchte, dass diese Zeitdokumentesammlung eine größtenteils freie Textdatenbank wird, aus der sich jeder bedienen kann. Deshalb möchte ich die hier veröffentlichten Texte grundsätzlich unter eine freie Creative-Commons-Lizenz stellen, die die ungehinderte Verbreitung und Nutzung aller Texte bei Angabe des Autors und Beibehaltung der freien Lizenz erlaubt. Falls ihr dieser Art von Nutzung eurer Texte widersprechen wollt, schreibt doch einen Satz wie diesen hier unter eure Ausführungen:

Abweichend von den üblichen Lizenzbestimmungen dieses Weblogs, steht dieser Text nicht unter einer Creative-Commons-Lizenz. Alle Verwertungsrechte bleiben dem Urheber vorbehalten.

Hier könnt ihr einen Beitrag anlegen, sobald ihr euch registriert habt. Bitte schreibt nur thematisch bezogen und im Topic "Mein 11. September 2001". Falls ihr Bilder in euren Beitrag einbauen möchtet, empfehle ich euch flickr, um Bilder dort hochzuladen und per HTML einzubinden - auf flickr.com gibt es entsprechende fertige HTML-Bausteine. Falls ihr keine Lust habt euch anzumelden, könnt ihr euren Text auch per Mail an stephan (punkt) doerner (at) uni-duesseldorf (punkt) de schicken (zusammen und "(punkt)" durch "." und "(at)" durch "@" ersetzen, Spam-Schutz).

Wie ich auf die Idee des Blogs kam

Ich habe schon mit vielen Leuten meiner Generation (ich bin 22) über den 11. September 2001 gesprochen. Für die meisten war es wohl das prägendste gesellschaftliche Ereignis ihres bisherigen Lebens. Was mich immer faszinierte war die Tatsache, dass jeder sofort losschoss und erzählte, wie er den Tag erlebte. Jeder, mit dem ich bisher geredet habe, konnte sich noch genau an den Tag erinnern, wusste wann und wo er von dem Unglück erfuhr. Meist sind es spannende kleine Alltagsgeschichten, die von einen eigentlich typischen Tag im Leben des Betroffenen handeln, aus dem sie oder er dann plötzlich herausgerissen wurde. All die Beiläufigkeiten des täglichen Lebens, die man sonst wieder vergisst, blieben vielen an diesem Tag in Erinnerung, weil sie im Gedächtnis mit einem kollektiv weltweit rezipiertem Großereignis verbunden wurden.

Es wären, in verschriftlichter Form, meines Erachtens spannende Zeitdokumente, weil es fast alles typische Berichte von einem typischen Tag im Jahre 2001 sind, an die man sich nur erinnert, weil am selben Tag die terroristischen Anschläge verübt wurden. Ich glaube, dass man sich mit wachsendem zeitlichen Abstand gerade in Erinnerung an diesen Tag, an den sich die meisten von uns wahrscheinlich ein Leben lang erinnern werden, noch einmal nachempfinden kann wie man damals "getickt hat", was einen bewegt hat und wie der Alltag aussah.

>>> zu den aktuellsten Einträgen >>>
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