Mein 11. September 2001

18
Nov
2006

Mein elfter neunter

Ich war shoppen. Wandelte über die blankgewienerten Kacheln der Galleria und wurde dabei von irgendeinem Lokalsender beschallt.

"Flugzeug ins World Trade Center und so..."
"Bitte? Was'n da passiert?"

"Flugzeug ins Pentagon...."
"Ha, ha....es ist doch gar nicht der 1. April...."

Ich hielt es zunächst für einen Radioscherz.
Doch nicht ins Pentagon. Neeeee.....

Wieder zu Haus hab' ich dann doch 'mal das Colorvisionsgerät
angeschaltet. Und: Nein. Das glaub' ich nicht.

Ich hing wie so viele davor fest. Klar. Und mir taten die Menschen leid, die ich da sah. Auch das.

Aber ich muss sagen, ich hatte auch Respekt vor der Intelligenz
der Planer. Der perfekte Anschlag. Einfach perfekt.

Und mich regt die Gefühlsduselei auf.

Täglich sterben mehr Menschen aus noch viel überflüssigeren und ungerechteren Gründen auf dieser Welt und kein Hahn kräht danach.
Herr bin Laden lässt ein paar duchgeknallte Selbstmordattentäter in amerikanische Hoheitsgebäude fliegen und die Welt vergeht in Mitgefühl und Aufgebrachtheit.

Da stimmt doch was nicht.

Dass die Amis keine Waisenkinder sind, haben sie uns doch auch schon lange bewiesen. Und ich würde es Herrn Bush und Konsorten auch durchaus zutrauen, dass sie darum bereits im Vorfeld wussten bzw. ihre Finger im Spiel hatten.

Aber Kritik an der armen getroffenen Nation üben, dass ging ja damals gar nicht.

Der erste Mensch, den ich erlebt habe, der es öffentlich im öffentlich rechtlichen getan hat, war Roger Willemsen.

Und ich hätte ihm applaudieren mögen.

17
Okt
2006

Kurzer Gedankengang

Am 15.9.2001, also vier Tage nach 9/11, schrieb ich im Assoziationsblaster folgendes:

WTC

Ich habe Schlafstörungen, lege mich erst um 10 Uhr morgens hin. Kann eine Weile schlafen, recht flach, werde immer mal wieder wach, trinke etwas.

Werde schließlich richtig wach, sehe auf die Uhr. 16 Uhr - Zeit für Star Trek. Schalte den Fernseher an.
Kein Stark Trek heute.

Was ist das?
Kraß! Voll Shadowrun! Heftig!
Moment mal, eigentlich viel zu früh. Oder?
Das ist das verdammte World Trading Center in NYC!
Plötzlich bin ich hellwach. Ich bin weder sonderlich geschockt, noch haben ich außerordentliche Angst - ich bin nur etwas verwundert.
Das Pentagon auch noch, höre ich jetzt. Treffend. Zwei große Symbole, Finanz und Militär. Ja, so hätte ich das auch gemacht.
Ich sehe schreiende Menschen, Panik auf den Straßen. Sie sind völlig unter Schock, sind in Todesangst. Überall Rauch und Tote.
Plötzlich stürzt das Gebäude ein. Sehr effektvoll, ihr Terroristen, wirklich sehr hübsch. 10 Punkte für die richtige Benutzung der Medien.
Ich hatte erwartet, daß so etwas passieren würde. Nur nicht so bald, nicht schon jetzt. In zwei oder drei Jahren vielleicht. Ich kann ein wenig mit diesen Menschen leiden, und ich kann ein wenig ihre Angst und ihren Schmerz nachvollziehen - aber es sind nicht meine Angst und mein Schmerz. Ich habe schon seit Jahren derartige Szenarien in meinem Kopf durchgespielt, und anfangs machten sie mir Angst. Da ich es aber in den letzten Monaten zu einem Spiel gemacht hatte, Anzeichen für die kommenden Umbrüche zu suchen, war ich nun nicht wirklich geschockt. Spätestens in zwei oder drei Jahren hatte ich eh irgendetwas von dieser Größenordnung erwartet.
Nun erwarte ich auch, daß ähnliche Dinge in der Zukunft öfter passieren werden. Die Welt wird innerhalb des nächsten Jahrzehnts ihr Gesicht radikal verändern, und niemand wird sie nachher wiedererkennen. Ich weiß nicht, ob ich lange genug leben werde, um das Ende zu sehen - ich weiß nur, daß es viele Tote geben wird. Ich weiß nicht, ob es einen dritten Weltkrieg geben wird, oder viele kleine Bürger und Guerilla-Kriege auf der ganzen Welt, auch wenn mir letzteres wahrscheinlicher erscheint. Ich weiß, daß möglicherweise unsere gesamte westliche Zivilisation dies Jahrhundert nicht überdauern wird. Und wenn schon, Rom ist ja auch untergegangen, und die Menschheit hat es überlebt.
Ich habe nicht mehr Angst, als ich eh schon seit Jahren habe. Ich habe mich schon seit Jahren an die Angst gewöhnt, und auch, wenn ich jeden Menschen bedaure, der unschuldig sterben muß, weiß ich doch, daß es nicht zu verhindern war. Was geschehen muß, wird geschehen. Die Welt muß sich radikal verändern oder untergehen, denn so, wie sie ist, kann unsere Zivilisation nicht mehr lange bestehen. Radikale Umbrüche entladen sich immer in Gewalt, und ein derartig großer Umbruch führt zwangsläufig zu Krieg und Terror.

http://www.assoziations-blaster.de/blast/WTC.3.html

24
Sep
2006

11. September 2001, Quersumme ein für alle Mal 14

Mein 11. September 2006, fünf Jahre nach dem "zweiten Reichstagsbrand", der "Machtergreifung" der Neocon-Weltverschwörung: ein Zeuge wird zum Angeklagten, ein schlechter Redner bekommt den meisten Applaus, eine USA-Fahne wird verbrannt.

Szene eins: Vor dem Amtsgericht Bernau wird wegen Volksverhetzung gegen vier Angehörige der "Reichsbürger-Bewegung" verhandelt, verschwörungsgläubige Antisemiten, die ihren Mitmenschen damit drohen, was ihnen angeblich blüht, wenn die nationale Revolution das Deutsche Reich wiederherstellt. Sie bestätigen zwei meiner Thesen. Zum einen die von der Alltagsverschränkung des Verschwörungsdenkens - die konkrete Verschwörung der klassischen Konspirationisten weicht einem allgemeinen Verschwörungsverdacht gegen alles noch so Banale. Dem als Zeugen aussagenden Polizisten versuchen die "Reichsbürger" zu entlocken, daß ihnen von langer Hand eine Falle gestellt worden sei, daß er fürs "Ministerium" gearbeitet habe und daß dieses Informationen an die "staatliche Schlägerbereitschaft, genannt Antifa" weitergeben würde.

Zum zweiten liefern sie ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Anmaßung einer amtlichen sozialen Rolle andere Menschen dazu bringt, diese Travestie anzuerkennen. Die "Reichsbürger" nehmen den Zeugen so lange und so intensiv unter Beschuß (hauptsächlich über diverse als "Vorhalte" verpackte Unterstellungen), bis die offenbar überforderte Richterin ihn wiederholt als Angeklagten anspricht. Völlig unverständlich, warum in aller Ausführlichkeit "Fragen" erörtert werden können wie "Waren Sie mal in Auschwitz? Es ist Pflicht für jeden Deutschen, nach Auschwitz zu fahren. Wenn Sie in Auschwitz gewesen wären, hätten Sie dann immer noch die Verteilung unserer Flugschriften unterbunden?" Der Zeuge selbst, obgleich er die Situation nicht unbedingt ernst zu nehmen scheint, läßt sich auf abwegigste Fragen ein, wie etwa die nach seiner Definition von "rechts", und kommt mehrmals ins Stottern. Die "Reichsbürger" zeigen sich erschüttert, daß offenbar nicht alle am Prozeß Beteiligten ihre gehaltvollen Texte gelesen bzw. den Inhalt nach zwei Jahren nicht mehr parat haben.

Szene zwei: In der Urania ist der "Konspirologe" Mathias Bröckers als Mit-Autor seines zweiten, weniger erfolgreichen 9/11-Buches zum Expertengespräch über offene Fragen zu den Anschlägen geladen. Hier zeigt sich, daß Travestie nicht immer funktioniert, daß sie aber auch nicht unbedingt funktionieren muß. Obgleich Bröckers sich Mühe gibt, die meisten seiner Redebeiträge mit der Formel "Da gebe ich Ihnen recht, aber" zu beginnen und obwohl er sich in seinen besten Zwirn (bzw. Hanf) geworfen hat, machten zwei der drei Mitdiskutanten unmißverständlich klar, daß sie nicht jede "verrückte These" dikutieren würden (Karsten Voigt) und zu einer Veranstaltung "fünf Jahre Schweinestaat Amerika" nicht erschienen wären (Yassin Musharbash).

urania bröckers

Doch das spielt insofern keine Rolle, als daß Bröckers trotz seiner recht launigen und rhetorisch schwachen Aussagen als einziger für beinahe jeden Beitrag Szenenapplaus bekommt. Er ist Sprecher der Mehrheit im nicht wirklich vollen Saal und die gefühlte "Mißachtung" durch die "richtigen Experten" gehört für seine Fans zur Inszenierung dazu. Sie äußern Unmut und Empörung, wann immer Voigt, der sich als Gegner des Irak-Kriegs und der Bush-Administration präsentiert, von der Notwendigkeit amerikanischer Truppenpräsenz in Afghanistan und auch in Deutschland spricht; wenn er die Kontingenz der Szenarien Afghanistan, Irak und Iran betont; wenn er darauf besteht, daß es doch trotz des Celler Lochs eine RAF gegeben habe und trotz aller möglicherweise ungeklärten Einzelheiten eine al-Qaida. Auch Musharbash wird beschimpft, als er etwa auf die Möglichkeit hinweist, daß jemand Ereignisse ausnutzen kann, die er nicht verursacht hat.

Am meisten flippen die Zuschauer aus, als Voigt die heutigen 9/11-Verschwörungstheorien mit Aussagen vergleicht, die Hitler eine Unkenntnis über den Holocaust zuschreiben, weil nicht alle Details der Befehlskette rekonstruiert werden konnten. Offenbar scheinen an dieser Stelle zahlreiche Zuschauer intellektuell überfordert, da sie ihren Rufen nach zu urteilen glauben, Voigt würde behaupten, Hitler habe vom Holocaust nichts gewußt.

Bröckers hingegen bekommt Applaus für Sätze wie "Bush kann ohne Bin Laden nicht leben", "Wir brauchen eine Untersuchungskommission wie das Russell-Tribunal zu Zeiten des Vietnam-Kriegs" und auch für seine einzige unverhüllt konspirationistische These, daß Diplomatie mit dem Iran nichts mehr brächte, weil die Kriege von den Neocons schon geplant und beschlossen seien.

In der Publikumsrunde kommt es zu keiner richtigen Diskussion, da von sämtlichen Rednern nacheinander verschiedene wohlbekannte Verschwörungsthesen vorgetragen wurden (wo waren die Abfangjäger, Neocons haben aus der permanenten Revolution den permanenten Krieg gemacht, Operation Northwood "liegt weit zurück, aber ist Geschichte"), in einem Fall unter ausdrücklicher Berufung auf Lyndon LaRouche, dessen Anhänger nach der Veranstaltung in großer Zahl ihr Wahlkampfmaterial unter Leute zu bringen versuchten.

Als ein Frank Hahn in seinem Sermon über die instabile US-Wirtschaft bezeichnenderweise orakelt, "wir (!) stehen dort (!) vor der Immobilienblase und der Autokrise" und müßten uns deshalb auf Roosevelt und die Zeit des Wiederaufbaus (!) zurückbesinnen, erklärt Voigt charmanterweise, daß es in Deutschland keine Immobilienblase gäbe (in Spanien schon) und daß die Neocons nicht alle früher Trotzkisten gewesen seien, einige von ihren "waren auch mal Jusos."

Dritte Szene: Die Partei und die Pogopartei sind zwei sehr verschiedene Dinge. Ruft erstere zu einem Zeichen für den Terror auf und erklärt einen längst fälligen großen Terroranschlag in Berlin zur größten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme neben dem ebenfalls geplanten Aufbau einer neuen und verbesserten Mauer, dann laufen zum angekündigten Spektakel die kommunalpolitisch assoziierten PPler mit Grunzchören wie "New York, London, Falludscha - Terrorismus wunderbar!", "Zwei Türme, zwei Flieger, die sah man nie wieder" oder "Bomben rein, Alltag raus!"

terror und arbeitsplätze

Während es der Partei in ihrer Wahlkampf-Veranstaltung auf der Oberbaumbrücke nur zweitrangig um die Idee eines inszenierten Terroranschlags zu gehen scheint und vielmehr um absurde und zumeist bemühte Scherze über den Politikbetrieb, nutzen die Pogo-Parteisoldaten die Gelegenheit, eine USA-Fahne zu verbrennen, schreien "Djihad, Djihad!" und sehnen den Terror als Spektakel herbei. Widerlich, geschmacklos, unterirdisch, dumm. Wenn die Partei mit solchen Leuten kein Problem hat, dann kann sie mir gern gestohlen bleiben.

pogo partei verbrennt usa fahne

Auf dem Heimweg überall Plakate der Humanwirtschaftspartei, die gesellianisch gegen den Zins agitiert und gern in U-Bahn auf Kabarett macht:

antisemiten zinsbombe

Und zu allem Wahnsinn am Ende des Tages auch noch Michael Holmes' persönliche Geschichtsschreibung. Er instrumentalisiert 9/11 als seine persönliche Entleuchtung bezüglich der Linken und zügig wird in seinem Abgrenzungspamphlet (seine offenbar bevorzugte Mitteilungsweise) unklar, ob er noch "diese Linken" meint, mit denen sein Text beginnt, oder schon längst "die Linken", über die er sich am Ende heißredet:
...sie hassen den Menschen überhaupt. Sie hassen den Menschen und seinen Freiheitsdurst. Sie hassen Amerikaner und Europäer, sie hassen Afrikaner und Asiaten, sie hassen jeden Menschen, den man nur hassen kann. Wenn sie über tatsächlich oder vermeintlich unterdrückte oder schwache Menschen sprechen, leugnen sie diesen Hass nur vehementer. Das ist alles. Man kann nicht die Kapitalisten und die Herrschenden hassen, aber all die anderen Menschen lieben. Man kann dies einfach deshalb nicht, weil es sie gar nicht gibt, diese sinistren Gestalten, die ihre paranoide Phantasie bevölkern.
Sounds like a case of the Mondays.


(zuerst veröffentlicht auf classless.org)

18
Sep
2006

Where were you when Kennedy died? (II)

Der 11. September in Berlin war ein feuchtgrauer Tag. Irgendwann gegen 16 Uhr verlasse ich das Buero, um bei Budapester auf der Friedrichstrasse ein Paar gummibesohlter Regenschuhe zu kaufen. Ich entscheide mich relativ schnell fuer schwarze TOD's im Desertboot-Schnitt. Ich lache die Dame an der Kasse an und sie schaut mir entgegen und sie fragt: "Haben Sie 's gehoert?" Ich sag: "Was?" Sie sagt irgendetwas, das sich so anhoert, als haetten UFOs gerade Amerika angegriffen, und dreht das Radio laut.
Wir hoeren uns das ne ganze Weile an - ich lass die TOD's im Laden und telefoniere draussen mit Guillemette in Paris. - Nein, sie wusste noch nichts.
Autokorsos haemmern Unter den Linden entlang und es ist mir nicht ganz klar, ob Berlin gerade evakuiert wird oder erst spaeter.
Klar ist mir allerdings, dass sich heute die Welt aendert. Radikal. Und fuer lange, lange Zeit.

Den Abend verbringen wir mit einigen Freunden bei Doris am Fernseher. Immer und immer wieder die gleichen Bilder. (Von der Wand lacht ein Warhol - und der hat's schon damals gewusst.)
Irgendwann fahr ich nach Hause. Den Wagen parke ich auf einem wilden Grundstueck in Mitte, aber es ist mir nicht danach, rauf in meine Wohnung zu gehen.
Stattdessen bleibe ich hinterm Steuer sitzen. Ich oeffne das Verdeck und hoere Barbara Steisands "Somewhere" (live in Madison Square Garden '94) bis - glaube ich - ins Morgengrauen. Mindestens aber 12.000mal. - "Hello TimeSquare! Thank you NewYork! - Someday - Somewhere - We'll find a new way of living - We'll find a way of forgiving..." - Natuerlich ist es der totale Quatsch - aber ich habe die ganze Zeit geweint (Nein, ich nehme keine Drogen). Ich liebe NewYork. Und ich liebe die Menschen dort. - Und in den darauffolgenden Tagen haben sie der gesamten Welt gezeigt, aus was fuer einem Holz diese Stadt geschnitten ist.

Am naechsten Tag hol ich die Schuhe bei Budapester ab, kaufe mir meinen ersten TV-Apparat und verbringe den Abend allein zuhause. - Gut, das mit dem TV war ueberfluessig - ich bin halt kein Typ fuer Sofa und Glotze - und das traurige Ding wird kurze Zeit spaeter wieder verschenkt.
Dann kommt das Wochenende und ich fahr zur Liebsten - mit dem Zug. Ich hatte noch keinen Flug gebucht und auch keine richtige Lust - und ich liebe Bahnfahrten - besonders in der Nacht. Also nehme ich eine Verbindung von Bahnhof Zoo nach Paris und bin am naechsten Morgen am Gare de l'Est. Guillemette holt mich auf einer alten Vespa ab und ich bleibe ein paar Tage laenger.

War was not the answer.


http://www.nyc.gov/portal/index.jsp?front_door=true
http://nyc.gov/html/fdny/html/home2.shtml
http://www.artnet.com/Magazine/features/krygier/krygier6-18-10.asp
http://hereisnewyork.org/
http://www.berlin.de/
http://www.tods.com/index2.html
http://www.paris.org/Gares/de.l.Est/

http://cfc.blogger.de/stories/545659/
http://cfc.blogger.de/

(Schoenes Forum. Herzlichen Dank!)

12
Sep
2006

11
Sep
2006

ich weiß, was ich am 11.09.2001 getan habe




eine kleine randgeschichte bei spon brachte meine erinnerungen wieder ins rollen ...

es gibt wahrscheinlich wenige tage in meinem leben, an die ich mich in ihrer gesamtheit so gut erinnern kann. die firma in der ich damals arbeitete lag zu diesem zeitpunkt im würgegriff eines milliardenunternehmens. am 11. september leitete ich in abwesenheit meiner chefs eine sitzung mit banken und rechtsanwälten um das drohende ende eventuell noch verhindern zu können. wir waren praktisch noch in der aufwärmpahse, als eine sekretärin herein kam und mir ins ohr flüsterte, daß ein turm des world trade centers brennen würde. ich verließ wenig später für kurze zeit die besprechung um in einem anderen sitzungsraum den fernseher anzuschalten. wenige augenblicke später kam bereits die meldung, daß auch der zweite turm brennen würde.

ich erinnerte mich an meinen besuch vor nicht mal zwei jahren in diesem wunderschönen und schlichten gebäude. und an eine bestimmte person. in den wc anlagen des window on the world reichte mir nach dem hände waschen ein etwas bäriger farbiger mann ein handtuch und bot süßigkeiten und zigaretten[!] an. sowas hatte ich bisher noch nicht. ein stoffhandtuch, nur für mich, auf einer halböffentlichen toilette. er war sehr nett und wir wechselten ein paar sätze. wenn ich mich recht entsinne gab ich ihm ein fürstliches trinkgeld, weil ich ihn und die gesamte aktion so ungewöhnlich und sympathisch fand. inhaltlich und optisch so fernab von meiner 'realen' welt.

als ich die brennenden türme türme sah mußte ich sofort an diesen netten freundlichen mann denken. ob er wohl drin steckt, in diesem grauenhaften desaster, daß alles andere als lösbar aussah. ich brach die sitzung ab und versammelte alle im büro anwesenden vor dem fernseher. die informationen verdichteten sich nur langsam, aber jeder der logisch denken kann konnte zu diesem zeitpunkt nur von einem anschlag ausgehen. hinzu kamen irgendwann die meldungen vom pentagon und aus washington. zum ersten mal kam ein leichter weltuntergangsgedanke auf. wer steckt dahinter? es gab gerüchte aus europa. wieviele anschläge es wohl insgesamt gibt? london? paris? und wie werden sich die amerikaner verteidigen? mit einem direktschlag - gegen wen?

als nach dem ersten schreck das logische denken wieder einsetzte kam der für mich schlimmste teil des tages, das eigentliche hilflose entsetzen. da wir fachlich die auswirkungen der flugzeugtreffer auf eine stahlkonstruktion erahnen konnten kamen wir nach kurzer diskussion recht schnell zu der erkenntnis, daß der zwar später - aber wesentlich tiefer - getroffene südturm definitiv einstürzen wird. und zwar relativ schnell. wir gingen jedoch von einem schrägen fall, ähnlich eines baumes aus, der schlimmstenfalls den nordturm mitreissen könnte. die trägheit der masse kann man in so einer situation schon mal falsch einschätzen. abgesehen von allen schrecklichen eindrücken war dieses unendliche ohnmachtsgefühl das schlimmste: im fernsehen live mit anzusehen, wie all die, die so heldenhaft am unglücksort helfen wollten, in den sicheren tod liefen.

ich hatte den ganzen abend tränen in den augen und verfolgte die berichte mit zunehmender wut. wenige stunden später wurde ich aufgrund der verstärkten strategischen luftüberwachung von meiner nato einheit als reservist alarmiert. die amerikaner hatten defcon 3 ausgerufen, die gleiche bereitschaftsstufe wie zur kuba-krise, an der die welt ja bekanntermaßen am rande eines atomkrieges stand. es wirkte alles nicht gerade beruhigend. es gab ein kurzes briefing über die aktuelle situation, dann konnten wir nach einem technischen vorbereitungstag zunächst wieder nach hause. ich glaube, es wäre damals jedem von uns eine ehre gewesen, an irgendeinem awacs bildschirm einen us-bomber dahin zu geleiten, wo all das seinen ursprung hatte. wut ist immer ein sehr schlechter berater. insbesondere in krisenzeiten.



was über die inzwischen fünf vergangenen jahre geblieben ist, ist die erkenntnis, daß wir menschen seltsam in unserer wahrnehmung sind. das "neue" an dem tag war für mich die erstmalige erfahrung den tod live zu beobachten. das ist eindeutig anders als eine zurückliegende nachrichtenmeldung. anders läßt sich nicht erklären, daß wir alle für viele jahre diesen tag in erinnerung behalten werden, aber die jährlich weltweit über eine millionen toten durch verkehrsunfälle mehr oder weniger als normalen kolateralschaden des modernen lebens in kauf nehmen. und vielleicht war der 9.11.2001 genau das. ein kolateralschaden des modernen lebens. verursacht durch menschen die glauben, daß das individuum das ganze bestimmt - und menschen die glauben das ein einziger, ein höheres wesen dies tut.

seit diesem tag bin ich in meinem denken verfassungstreuer und in gewissen lebensbereichen leider auch weniger toleranter den je. denn ich glaube an freiheit. ich glaube an menschen aus 22 nationen die jenseits ihrer religion zusammen eine idee umsetzen. weil wir doch eigentlich in ein paar tausend jahren etwas gelernt haben sollten.

aber die absurdität der menschheitsgeschichte scheint derzeit perfekt. es endet anscheinend wie es einst begann: der moderne glaubenskrieg lautet wie vor 2000 jahren wieder polytheismus gegen monotheismus ...

Der 11.09.2001...

Mh, was hab ich gemacht...
Meine Erinnerungen sagen mir, dass es morgens früh war, aber ich weiß nicht ob das stimmt. Ich saß gerade vor dem Fernseher und hab (ich war gerade 8 Jahre alt) irgendeine Sendung gesehen, als plötzlich meine Oma anruft und von einem "Flugzeugabsturz" in New York berichtet. Ich habe auf die ARD umgeschaltet und meine Eltern geholt, das zweite Flugzeug hab ich verpasst.
Ich hab das alles damals noch nicht so richtig verstanden und auch nicht alles mitbekommen. Erst heute hab ich mir den Wikipediaeintrag zu 9/11 angeschaut und hab den kompletten Ablauf gesehen, das waren klarere Informationen als die ganzen Fernsehbilder, das waren damals noch viel zu viele Informationen und noch dazu die anderen beiden Flieger. Ich hab Augenzeugenberichte gelesen und wünsche mir, dass sowas nie wieder passieren wird, nicht mir und auch keinem anderen Menschen auf dieser Welt.

10
Sep
2006

Auge und Ohr am 11. September 2001

Meine Erfahrungen vom 11. September 2001, wo ich für einen Bekannten aus Kanada via Instant Messenger quasi "Auge und Ohr" war, habe ich bei mir direkt im Pottblog veröffentlicht.

ambivalent

Habs im Radio gehört. Ich war dabei, meine Wohnung aufzuräumen, da die damalige Liebste sich angekündigt hatte und ließ das Radio dudeln. Ich habe noch im Ohr, wie der Moderator betroffen das Programm unterbrach und nach vielleicht 2 Liedern die Musikredaktion dem Anlass entsprechend Besinnliches spielen ließ. Mir fiel spontan 'New York, New York', nein NICHT von Frank Sinatra, sondern von Grandmaster Flash und seiner Sugarhill Gang ein, das ich an Stelle der Radiomusik liefen ließ. Dazu den Fernseher angeschaltet, Ulrich Wickert fertig und überanstrengt mit Lesebrille von Blättern ablesend, ich hätte an dem Tag gerne 20 Fernseher gehabt, um so viel wie möglich sehen zu können. Ich fühlte mich wie ein Voyeur, und als ich abends eine mail von einem Freund bekam, die nur das Wort 'endlich' beinhaltete, war ich mir nicht sicher, ob ich ihm zustimmen konnte. Die Toten und die Trauer, eine Tragödie. Doch die Geste an sich? Ich war an diesem Tag nicht der einzige, der trotz des Gefühls der Betroffenheit über die Grausamkeit des Anschlags auch noch einen anderen Gedanken mit sich trug: 'Sie sind selbst Schuld...'. Dementsprechend lautete der Tenor abends in geselliger Runde: Wer mit der Axt der nicht westlich konditionierten Welt seine Kultur und seine Moral-, Wert, und Rechstvorstellungen aufzwingt, braucht sich über diesen Anschlag nicht zu wundern.
Am Abend spielten Radiohead hier in Berlin, und es muss einzigartig gewesen sein, wie man mir erzählte. Leider hatte ich keine Karte.

7
Sep
2006

:: bei mir wars so

ich habe mal wieder keine nachrichten gehört, ich hasse radio. irgendwie war das ein stressiger tag, ich glaube ich hab grad einkäufe in den 3. stock hochgeschleppt und dann bekam ich einen anruf von meiner besten freundin, ob ich das schon im fernsehen gesehn habe mit den flugzeugen. und dass die welt angegriffen wird. so irgendwie. und wir machten den fernseher an. überall diese bilder. und diese panik. auf der ganzen welt. und sass da stundenlang, sprachlos. aber ich habe nicht geweint. irgendwie konnte ich da nicht weinen.
9/11

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